|
An der Südostecke der Potsdamer Brücke über den Landwehrkanal in Berlin entdeckt der aufmerksame Besucher eine besondere Bronzetafel mit einem Text in Deutsch und Russisch. Sie erinnert an die Tat des Rotarmisten Nikolaj Ivanovič Masalov in den letzten Kriegstagen, am 30. April 1945. Der an der Eroberung Berlins beteiligte Obersergeant des 220. Gardeschützenregiments der 62. Armee General Tschujkovs hatte kurzentschlossen ein deutsches Kind aus dem Schussfeld zwischen den Fronten gerettet. Der damals 23-Jährige stammte aus einem Dorf in Sibirien. Er diente seit Januar 1941 in der Roten Armee, war als Granatwerferschütze und Fahnenträger des Regiments an den Schlachten um Stalingrad und im Kursker Bogen beteiligt, schließlich an der Berliner Operation. Es soll mehrere solcher Rettungen von Kindern in Berlin gegeben haben, belegt ist diese eine von Masalov, der in seiner Heimat dafür Ehrungen erhielt. Die Behauptung, genau diese Tat hätte dem Bildhauer Evgenij Viktorovič Vučetič als Vorlage oder Inspiration für das zentrale Monument der Gedenk- und Grabanlage im Berliner Treptower Park gedient, ist strittig. Vielmehr schuf er wohl eine Allegorie auf den Neubeginn nach der Zerschlagung des Faschismus, die wir als Befreiung begreifen. Gleichwohl künden viele Berichte von lebensrettenden Aktionen der Sieger gegenüber deutschen Zivilisten. Nikolaj Masalov wurde 1965 in Berlin, Hauptstadt der DDR, zum Ehrenbürger Berlins ernannt. Als zunächst nach der Wiedervereinigung alle diese „Ostberliner“ Ehrenbürgerschaften annulliert wurden, war auch die Masalovs darunter. Sie wurde, anders als die nach heftigem Protest wieder neu aufgelegte Ehrenbürgerschaft von General Nikolaj Bersarin, später nicht erneuert. Masalov starb 2001 im sibirischen Kemerovo. Die erwähnte Ehrentafel wurde am 10. Dezember 2003 im Beisein zweier Attachés der Russischen Botschaft sowie des Bezirksbürgermeisters Tiergarten, eines Vertreters der GRÜNEN und des damaligen Leiters des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst enthüllt (leider mit falschem Geburtsjahr des Geehrten). Es hieß, die Würdigung solle nicht den Krieg verharmlosen, sondern daran erinnern, dass es inmitten unvorstellbaren Grauens Akte von Menschlichkeit gab. „Vor dem Hintergrund von mehr als 70 000 Menschen, Deutschen wie Russen, die in den Kämpfen um Berlin den Tod fanden, erhält die Tat Masalovs eine besondere Bedeutung und verdient in unserer öffentlichen Erinnerung eine sichtbare Würdigung“, sagte damals Volker Hobrack, der Vorsitzende der Gedenktafelkommission der BVV Mitte, der das Anbringen der Gedenktafel wesentlich vorangetrieben hatte. Heute scheint derlei unaussprechbar in öffentlichen Reden. Die Ehrenbürgerschaft Masalovs ist nicht wieder hergestellt. Der Arbeitskreis „8. Mai“ beim BDWO unterstützt daher die Petition der Potsdamer Künstlerin Bärbel Brede, die, wiederholt vorgebracht, vom Berliner Senat die Zuerkennung der Berliner Ehrenbürgerwürde für Nikolaj Masalov fordert. Bitte informieren Sie sich unter https://wp.me/p1dtrb-y17 und geben sie der Forderung mit Ihrer Zustimmung den nötigen Nachdruck. Arbeitskreis 8. Mai Kommentare sind geschlossen.
|
|
BDWO e.V. © 2025